Frau Anfang 30 Single

Das ist für mich innere Freiheit. Und auf dieser Strecke wird einfach viel ausprobiert. Noch mal was ganz anderes? Ich bin ja frei. Aber eben nicht mehr so richtig jung. Wenn ich jetzt noch mal was anderes mache, sollte es auch das Richtige sein. Irgendwann muss man sich ja mal entscheiden. Aber woher die Gewissheit nehmen, dass es klappt? Soll ich es einfach machen?

So frei denkt die 30 meist nicht mehr. Die Vernunft wird zur eigenen Handbremse und steht den Träumen im Weg. Manchmal ein Schutz, manchmal einfach nur schade. Sich festlegen oder unabhängig bleiben Manch einer hält sich deshalb lieber im Vorraum dieser Phase auf, in der Entscheidungen getroffen werden müssen, bevor sie einem von anderen oder vom Leben abgenommen werden. Dating hier, Reisen da, Partys, Clubs, Unabhängigkeit.

Wofür das alles hergeben? Der Preis der Unabhängigkeit Unabhängigkeit stresst aber auch. Immer auf der Suche nach dem dicksten Stück vom Kuchen, nach dem Volltreffer für den wir einen Teil dieser Unabhängigkeit aufgeben würden. Da kommt man doch nicht allein hierher, wo ist denn Ihr Mann? Mein Lebensfokus war immer auf Beruf und Karriere gerichtet. Und ich glaube, das macht mich gerade auch so unzufrieden. Denn ich merke, dass diese Struktur, die ich mir aufgebaut habe, so nicht mehr funktioniert.

Jetzt langsam begreife ich: Ich bin stolz auf die Doktorarbeit, auf die Forschungspreise, darauf, dass ich zur Frankfurter Buchmesse eingeladen werde. Aber es macht mich nicht glücklich. Und wenn ich dann beim Auswärtigen Amt arbeiten würde, fänden mich alle toll. Und jetzt mit 35 denke ich, vielleicht ist es das gar nicht. Ich habe zwei Preise gewonnen, habe einen leitenden Posten an der Hochschule, und natürlich reise ich deshalb auch viel.

Ich habe viel zu viel auf das geschaut, was andere von mir denken und was die von mir wollen und bisher eben erschreckend wenig darüber nachgedacht, was ich eigentlich will. Ich habe bis jetzt die Stellenausschreibungen durchgesehen und mir immer gesagt: Ich will mich offenbar nicht damit auseinandersetzen, was ich wirklich will. Ich kann auch jetzt nicht sagen, ob ich ein Kind will. Aber ich denke immer, wenn es passieren soll, dann passiert es. Und ich bin dadurch nicht mehr oder weniger glücklich.

Die anderen haben ihre Kinder gekriegt und haben geheiratet und ein Haus gebaut, und ich bin halt an einer anderen Stelle angekommen. Und das war zwischen 25 und 30 noch nicht so extrem, da waren wir alle ähnlich unterwegs: Studium, erster Job, das war bei uns allen Thema. Wenn jetzt alle verheiratet sind, wer bleibt dann noch für mich übrig? Aber es ist eben schon mein Wunsch, dass ich einen Partner habe. Ich fühle mich hier manchmal sehr einsam und mache mir Gedanken.

Wenn jetzt alle verheiratet sind und Kinder haben, wer bleibt dann noch für mich übrig? Meine Unabhängigkeit ist ganz sicher hinderlich bei der Suche. Ich will den Typen nicht bewundern. Aber ich glaube, damit kommen viele Männer nicht klar. Ich will auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Wenn ich Männer treffe, haben die alle schon eine Frau, die zu Hause die Kinder hütet, während der Mann durch die Welt tingelt, sich selbst verwirklicht, seinem Beruf nachgeht und abends dann auch noch manchmal nette Kolleginnen ausführt.

Meine Mutter sagt, diesen Mann, der mich auf Augenhöhe trifft und der mein Leben teilt, gibt es nicht. Also ein bisschen muss ich ihr recht geben: Zumindest in Schmalkalden gibt es den nicht. Meine letzte Partnerschaft ist kaputtgegangen, weil er ganz klar gesagt hat: Lass doch du deine Dissertation! Die Dissertation war für ihn nur so eine Zwischenarbeit zwischen Studium und Mutterschaft. Und da habe ich natürlich gesagt: Ich habe doch auch Wünsche und Träume und bin nicht weniger wichtig als mein Mann, der Professor ist oder eben Ingenieur.

So wie ich mich für seine Projekte interessiere, muss er sich auch für meine Projekte interessieren.


So vermeiden Singles über 30 die Torschlusspanik